Endlich eine Antwort von der Deutsche Bahn AG

Veröffentlicht am 01.09.2008 in Kommunalpolitik

Es bietet sich keine besondere Augenfreude, wenn man das Bahnhofsgebäude in Bruchsal verläßt. Ärgerlich wird es für viele Bahnkunden zusätzlich, wenn sie ihr Auto oder Fahrrad vor einer Bahnfahrt abstellen möchten. Diesen seit Jahren anhaltenden Zustand monierte Stadträtin Helga Langrock in ihrem Schreiben vom 31. März 2008 an den Bahnvorstand. Jetzt endlich (und nachdem MdB Jörg Tauss eingeschaltet worden war) kam eine Antwort, die allerdings keine schnelle Änderung verspricht.

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Helga Langrocks Brief vom 31.3.08:

Sehr geehrter Herr Mehdorn,

auf einer kürzlichen IC-Bahnreise nach Celle las ich die Zeitschrift: "mobil - Das Magazin der Deutschen Bahn AG" Nr. 03/2008. Darin findet sich auf S. 72 die Mitteilung, dass der DB-Konzern die britische Privatbahn Chiltern Railways übernommen habe, Personenzüge im Mutterland der Eisenbahn betreibe und dass die DB AG jetzt Betreiberin u.a. von Marylebone Station in London sei.

Mir ist bekannt, dass die DB AG in mehrere Konzernteile aufgeteilt ist. Aber auch eine Betreibergesellschaft muss darauf achten, dass das Umfeld von Bahnhöfen einigermaßen vorzeigbar ist, um das Zugfahren attraktiv zu machen bzw. zu erhalten.

Wer auch immer Verantwortung trägt und finanziell zuständig ist für deutsche Bahnhöfe und ihre unmittelbare Umgebung, der/die möge sich doch bitte schnellstmöglich den Bahnhofsvorplatz von BRUCHSAL ansehen und sich dann – endlich – zu einer Sanierungsmaßnahme aufraffen. Bevor man sich "international neue Wachstumsperspektiven" (Zitat!) schafft, so meine ich, sollte man doch erst die eigenen Hausaufgaben erledigen.

In Bruchsal, einem nicht ganz unbedeutenden Bahnknotenpunkt, gibt es für ca. 21.000 Arbeitsplätze einen ungepflegten, ebenerdigen, nicht überdachten Parkplatz für geschätzte 80 Autos. D.h. die meisten PKWs verteilen sich in den anliegenden Wohnquartieren und nehmen den dort Wohnenden tagsüber die Stellplätze weg. Es fehlt dringend (im eigenen Interesse der Bahn) ein PARKHAUS. Der zentrale Omnibus-Bahnhof auf dem Vorplatz spottet jeglicher Beschreibung: Ein geordnetes An- und Abfahren der Busse ist nicht möglich. Ortsfremde irren von Haltezeichen zu Haltezeichen, um den Abfahrtsort ihres Busses zu ermitteln.
Eine Unterstellmöglichkeit gibt es für geschätzte 5 Personen. Es fehlt dringend ein zeitgemäßer ZOB.

Am schlimmsten trifft es nach wie vor die Radfahrer/innen: Zwei doppelseitige Radständer für geschätzte 50 Räder und verrottete Holzbalken für Roller fristen ihr Dasein auf einem unbefestigten, geschotterten, nicht überdachten Untergrund, der bei Regen im Wasser ersäuft. Folge: Die Räder stehen an Verkehrsschildern, innerhalb und außerhalb des Bahnhofsgeländers, mitten im Weg und wo immer sich sonst eine Abstellmöglichkeit findet.
Es fehlt dringend eine bedarfsgerechte FAHRRAD-ABSTELLANLAGE.

Dieser Zustand hält nun schon seit Jahren an – und nichts tut sich. Vor ziemlich genau 5 (in Worten: fünf) Jahren, am 20.03.2003, behandelten wir im Bruchsaler Ausschuss für Umwelt und Technik die "Umgestaltung des Bahnhofsbereichs und des zentralen Omnisbusbahnhofs mit Neuordnung der Verkehrsführung zwischen Amalien- und Viktoriastraße".

Das Stadtplanungsamt sprach schon damals in seiner Sitzungsvorlage vom "desolaten Umfeld des Bahnhofs". Was glauben Sie, wie es heute dort ausschaut? Damals versprach man uns: Baubeginn durch den Investor im Jahr 2004 (!), Fertigstellung durch den Investor im Jahr 2005 (!), Erstellen des ZOB im Jahr 2006 (!). Die städtischen Maßnahmen sollten dann in diesem Jahr folgen...

Herr Mehdorn, wie lange soll der oben geschilderte Zustand für die "Unterbringung von insgesamt 19 Bussen, rund 200 Fahrrädern, 9 Taxen, 26 Kurzzeitparkplätzen, Flächen für Fußgänger und Fahrradfahrer/innen..." (Zitat aus der Sitzungsvorlage) noch andauern??

Warum hat man genug Geld für britische Belange, aber keines bzw. nicht genug für hiesige Bedürfnisse??

Nicht genug mit der Parkmisere: Jetzt wird uns auch noch berichtet, dass der innerstädtische Radweg, der vor dem Bahnhofsvorplatz als "Lückenschluss" noch fehlt, von der Bahn abgelehnt wird.
Wer greift da so in innerstädtische Verkehrsplanungen ein? Und mit welchem Recht?

Herr Mehdorn, hätte ich den oben zitierten Artikel "Nächster Halt: Wembley-Stadion" nicht vor mir liegen, ich hätte Ihnen nicht geschrieben. So aber denke ich, dass Sie wissen sollten, wie man sich als Bahnkundin fühlt, wenn man so etwas lesen muss... Ganz abgesehen davon, dass man als gewählte Vertreterin der Bürgerschaft ja immer wieder in der Kritik steht. Und manchmal ist man selber verzweifelt. Siehe oben.

Ich bitte Sie um eine konkrete Antwort und hoffe – auf ein Wunder?

Mit freundlichen Grüßen
Helga Langrock

Vom Vorstand der DB AG kam folgendes Antwortschreiben...

 

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