Podiumsdiskussion mit Staatssekretär Mentrup und Regierungspräsidentin Kressl
Es ist schon erstaunlich, was politisch Interessierte Bürger und Bürgerinnen zustande bringen können!
Da kommt ein ganzer Schulsaal voll Erziehungs-Fachleuten zusammen, eingeladen von der Kronauer SPD zusammen mit weiteren SPD-Ortsgruppen – und fragt den Politikern Löcher in den Bauch. Ob „frühkindliche Bildung“ jetzt heißen soll, dass man sein zweijähriges Kind mit Bildung überschütten soll, womöglich mit Blick aufs gute Abitur? Oder ob Praktikum-Lehrerinnen jetzt fast als volle Erziehungskraft angerechnet werden müssen?
So fragten Kindergärtnerinnen und Lehrer aus Forst genauso wie aus Philippsburg oder Bad Schönborn. Es war alles Andere als eine Nur- Partei- Veranstaltung. Viele Tagesmütter, Grundschullehrerinnen, Erzieher und eine Rektorin nutzten die Gelegenheit, sich bei den Politikern aus Stuttgart und Karlsruhe zu informieren. Und Wünsche äußerten sie auch.
Der Saal der Erich-Kästner-Schule Kronau war gut gefüllt. Offenbar hatte die Ortsgruppe Kronau mit ihrem Vorsitzenden und Moderator des Abends, Gemeinderat Thomas Weber, für das richtige und aktuelle Thema die richtigen Leute zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.
Ein Fachmann in Sachen Frühpädagogik aus unserer Region ist der 2006 direkt gewählte SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Frank Mentrup, der jetzt den Ettlinger Wahlkreis vertritt. Er wurde in der neuen rot-grünen Landesregierung parlamentarischer Staatssekretär im Kultusministerium. Dort ist er unter anderem für die Früherziehung zuständig. Auch als Arzt für Psychiatrie (Mannheim, Karlsruhe) und als Vorsitzender eines Förderkreises für psychisch erkrankte Kinder konnte er aus Erfahrung sprechen.
„Jeder hat Anspruch auf Bildungsgerechtigkeit. Jedes Kind darf seine Talente und Fähigkeiten entwickeln. Das steht schon in der Landesverfassung, Artikel 11“, rief Mentrup aus. Ob ein Kind gefördert wird, hänge bei uns immer noch viel zu sehr von der familiären Herkunft ab. Aber: IM Grunde sind alle Kinder schon im zweiten und dritten Lebensjahr offen, neugierig und an Kontakten interessiert. Auch behinderte Kinder. Die müssten mehr einbezogen werden (Inklusion). Das wird in einem Jahr sogar Gesetz. Natürlich müssten auch im Blick darauf die Krippen und Kindergärten mehr Personal bekommen. Und zwar auch sonderpädagogische Fachkräfte.
Mentrup bemängelte, dass bisher meistens die Vormittagsplätze gefördert wurden. Das müsse man auch auf die Kitas ausdehnen, welche endlich die nötigen verlängerten Öffnungszeiten einführen.
„Wir haben uns viel vorgenommen“. Das klang manchmal bei Mentrup wie ein Seufzer. Für manches hat er noch kein Geld, sagte er. Aber wegen des Fiskalpaktes könnten die Tagesstätten auf weitere Zuschüsse hoffen. Sie müssten die Mittel aber auch rechtzeitig abrufen. Und zwar sowohl für besondere Sprachförderung wie auch für eine verbesserte Integration von behinderten Kindern.
Die Erzieherin und Gemeinderätin Susanne Matthias aus Bad Schönborn warb für emotionale Nähe zwischen Kind und Erzieher sowie für eine frühe Sprachförderung.
Ingerose Braunecker berichtete als stellvertretende Leiterin des St.Nikolas-Kindergartens in Weiher. Was es dort alles für Schwerpunkte an den einzelnen Wochentagen gibt! Mathe, Literarisches, Experimente, Tänze, Bewegung...