Liegewiese am Baggersee vergrößert

Veröffentlicht am 24.03.2016 in Gemeindenachrichten

Seit einigen Jahren besiedelt der Eichenheldbock die alten Eichen am Baggersee Untergrombach. Der Lebensraum für den Eichenheldbock ist äußerst begrenzt und gerade der wunderschöne Eichenhain unserer Liegewiese hat es dem Käfer angetan. Nach den Schutzbestimmungen ist der Liegebereich schon seit längerer Zeit gesperrt. Zwar sind die Bäume gesund, aber von dem Astabwurf geht große Gefahr für die Badegäste aus.Der Ortschaftsrat forderte daher eine Ausgleichsfläche. Von der Aufforstung beim Parkplatz sollte ein ein Teil gerodet werden. An dieser Stelle war vor Jahren bereits eine große Liegewiese. Die Besucherströme in den 80er und 90er Jahren erforderten eine Verkleinerung der Liegewiese, um die gute Wasserqualität des Sees nicht zu gefährden. Nun ist die Fläche die dem Eichenfeldbock zugestanden wurde, wieder ausgeglichen. In der Rodungsfläche wurden die größten Bäume als Schattenspender erhalten, somit bleibt unser Baggersee auch weiterhin ein attraktives Naherholungsgebiet.

 

Der Eichenheldbock (Cerambyx cerdo) gehört mit seinen bis 5 cm Körperlänge zu den größten Käfern Europas. Die Fühler der Männchen können sogar doppelt so lang werden. Er ist derzeit vom Aussterben bedroht und genießt deshalb den besonderen Schutz des europäischen Naturschutzrechtes, das ihn in den Anhängen II und IV der so genannten FFH-Richtlinie führt. FFH steht für Fauna, Flora und Habitat, auf deutsch also für Tiere, Pflanzen und ihren jeweiligen Lebensraum. Das bedeutet für den Eichenheldbock, dass die Länder der EU die Lebensräume, in denen er noch vorkommt und die für sein Überleben unabdingbar sind, streng schützen müssen.

Nur in Eichenwäldern zuhause

Welches sind nun die Lebensräume des Eichenheldbocks? Auch darüber gibt der Name bereits Auskunft. Er benötigt Eichenwälder; aber nicht solche, wie sie durch die moderne Forstwirtschaft allenthalben entstanden sind, wenn denn überhaupt noch Eichen gepflanzt wurden. Denn in diesen Wäldern stehen die Bäume meist dicht an dicht und sind gleich alt. Mit solchen Alterklassenwäldern kann der Eichenheldbock absolut nichts anfangen. Er braucht lockere Waldstrukturen und, was noch viel wichtiger ist, alte, sehr alte Eichen, die eines natürlichen Todes sterben, wozu es im modernen Nutzwald kaum noch kommt. Wieso ist der Eichenheldbock derart anspruchsvoll? Das hängt mit der Entwicklung seiner Larve zusammen.

Langlebige Larven und kurzlebige Käfer

Der Eichenheldbock als Käfer wird nur rund zwei Monate alt; meist Ende Mai oder Anfang Juni ist er aus der Puppe geschlüpft und Ende Juli, Anfang August stirbt er. In dieser relativ kurzen Zeit, in der sich die Tiere vom Saftfluss verletzter Eichen ernähren, paaren sie sich und das Weibchen legt einige hundert Eier jeweils einzeln in die Rinde alter Eichen. Nach rund drei Wochen schlüpfen die Larven und fressen bis zum Winter in der äußeren, lebenden Schicht unter der Rinde. Im zweiten Lebensjahr fressen sie sich durch die äußeren Holzschichten, im dritten bis fünften Lebensjahr ins Kernholz. Die Larven werden also mindestens drei, meist aber fünf Jahre alt, daumendick und bis zu 10 cm lang, ehe sie sich verpuppen. Entsprechend sieht eine vom Eichenheldbock befallene Eiche, wenn sie denn endgültig stirbt und umbricht, wie ein Schweizer Käse aus. Doch so lange wie die Larven in ihr leben muss auch die Eiche leben. Denn die Larven ernähren sich nicht etwa von dem Holz, wie das eine Reihe von Holzkäfern machen, sondern von den Nährstoffen im Saftfluss des Baumes.

Eichenheldbock (Foto: Herwig Winter)
Eichenheldbock (Foto: Herwig Winter) XXL-Ansicht

Schutzgebiete unabdingbar für den Fortbestand

Für den Fortbestand der verbliebenen Populationen dieser seltenen Käferart ist es deshalb unabdingbar, dass man ihnen die benötigten Lebensräume eigens als Schutzgebiete widmet. Denn im Wirtschaftswald wird kein Forstmann auf hundertjährige Eichen verzichten wollen. Doch genau in diesem Alter erst fangen die Eichen an, für den Eichenheldbock interessant zu werden. Hinzu kommt, dass er als wärmeliebender Käfer Wert legt auf frei stehende, gut besonnte Brutbäume. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Käfer sehr ortstreu sind und sich selten weiter als 3 km von ihrem Brutbaum entfernen. Soll es also nicht zu einer genetischen Isolation der einzelnen Populationen kommen, was nahezu zwangsläufig mit deren Aussterben enden würde, müssen die für den Käfer notwendigen Lebensräume dicht genug in einem vernetzten System beisammen liegen. So könnte beispielsweise der Wiederaufbau von Hartholzauen entlang unserer großen Flüsse neben dem Hochwasserschutz auch dem Eichenheldbock zugute kommen.

Quelle: BUND

 

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