Im Rahmen des diesjährigen Sommerfestes am 26.06.2011 wurde eine Grenzsteinwanderung organisiert. Dazu traf sich eine Gruppe von interessierten Bürgern auf dem Rathausplatz, die um 13.00 Uhr von Ortsvereinsvorsitzenden J. Amend auf den 2-stündigen Rundweg geschickt wurde. Die Wegführung hatte freundlicherweise Heinz Rätz übernommen, wofür wir uns bei ihm recht herzlich bedanken. Im Vorfelde hatte er sich bereits für den Erhalt und Pflege der Grenzsteine entlang der Diedelsheimer und Wössinger Grenze eingesetzt, so dass er profund über die Besonderheiten berichten konnte.
Alte Grenzsteine sind Bestandteil der Geschichte unserer Region. Sie trennten die Herrschaftsbereiche der deutschen Kleinstaaterei, vornehmlich ab dem 18. Jahrhundert und sind auch heute noch an den alten Landesgrenzen zu finden. Obwohl schon viele davon verschwunden sind oder in sog. "Grenzsteingärten" vor Diebstahl geschützt werden, verstecken sich heute noch viele solcher Bodendenkmäler in den Wäldern. Gleichwohl wissen wir oft nichts mit ihnen anzufangen, denn die sie zierenden Buchstaben und Zeichen sind uns unbekannt. Doch diese geben ihre einstige Funktion und rechtliche Bedeutung verschlüsselt wider.
Die Jahreszahlen auf den Grenzsteinen dokumentieren zumeist das Datum historischer Grenzumgänge und nicht unbedingt das Jahr der Aufstellung. Grenzumgehungen waren feierliche, in bestimmten Fristen wiederholte Begehungen der Grenze, die ihrer Aufrechterhaltung dienten und genau protokolliert wurden.
Der Weg führte über Brunnenberg und Haupstädt. Dann in der Karrhecke entlang der Diedelsheimer Grenze bis zum Dreimarker. Dort wechselte man auf den Weg entlang der Wössinger Grenze. Weiter ging es über den Erdbeerhof, Steinbuckel und Lohr zurück zum Rathausplatz, wo man von der bereits aufspielenden Gondelsheimer Musikergruppe „Los del Molino“ und den Sommerfestgästen empfangen wurde. Bei Kaffee und Kuchen bzw. einem frischem Bier und Vesper erholte man sich bei dezenter musikalischer Unterhaltung von der Strapaze und vertiefte in gemütlicher Runde die gewonnenen Eindrücke.
Am Schluss war sich die Wandergruppe einig, dass die noch übriggebliebenen Grenzsteine für die nächsten Generationen erhalten bleiben sollen und nicht - wie schon oft geschehen - beschädigt und beschmiert oder in irgendwelche Vorgärten abtransportiert werden. Den Apell wird die Ortsgruppe gerne an die Gemeindeverwaltung weitergeben. Aber auch wir Bürger selber sind gefordert darauf zu achten.
Jürgen Amend