Man könnte meinen, die Bruchsaler Werbegemeinschaft und ihre kommunalpolitische Speerspitze – Roland Foos – wird von der Konkurrenz aus Waghäusel, Bretten, Sinsheim und Karlsruhe gesponsert.
Soviel Geschick in der Vernichtung des eigenen Standortes kann man den Bruchsaler Akteuren einfach nicht zutrauen.
Die Bruchsaler Rundschau titelte am Samstag nun: „Konfliktfall Kaiserstraße“ und lieferte damit den von Holoch und Foos erwünschten Innenstadt-Knalleffekt. Allerdings für die Bruchsal-Konkurrenz. Die Stadt haut Millionen aus dem Fenster, um das SEPA-Projekt städtischerseits durchzufinanzieren und die Vertreter des Handels tun alles, um den Effekt, den die Ansiedlung natürlich trotz allem bringt, völlig kaputt zu machen. Wer sich in dieser Situation noch um den Mietvertrag beim Kaufhaus Schneider bemüht, braucht entweder starke Nerven oder ein noch stärkeres Selbstvertrauen.
Im Klartext: die „Öffnung“ der oberen Kaiserstraße ist schon als Projekt an sich mehr als fragwürdig. Der Gipfel ist – bisher offenkundig unbemerkt – dass eine „Öffnung“ für die Innenstadtentwicklung niemals auch nur den geringsten positiven Effekt haben kann. Die Einzelhandelsumsätze (unter anderem: zwei 1-Euro-Läden) in diesem Stadtbereich erzeugen bei jedem Media-Markt-Geschäftsführer lebensbedrohende Lachanfälle. Niemand, der seinen Betrieb zukunftsorientiert führt, plant dort ein Dauer-Dasein. Noch deutlicher: Die Zukunft der Innenstadt hängt nicht von der Zukunft von Roland Foos ab.
Am unglaublichsten ist es, dass der FWV-Stadtrat es ständig schafft, dieses Micker-Thema zum Haupt-Stadtgespräch zu machen. Ständige Wiederholungen sind in einer ideenarmen Umgebung offenbar doch sehr wirkungsvoll. Vergessen ist, dass sowohl Holz- wie Kübelmarkt und auch der Platz am alten Schloss, sowie die Dr. Karl-Meister-Straße (letztere eher weniger sinnvoll) Bestandteil der Fußgängerzone waren. Der Aktivist ruht offenbar nicht eher, bis die Innenstadt eine Drive-In-Atmosphäre hat. Könnte sein, dass dann die Standortunterschiede keine Rolle mehr spielen. Alles ist dann gleich schlecht. Man kennt das Problem aus der Psychologie: Negativ wird nicht die eigene absolut schlechte Situation empfunden, sondern die relativ schlechte.
Das könnte dann doch ein nachvollziehbares Ziel sein: Wenn alles schlecht ist, braucht niemand mehr neidisch sein. Das ganze nennt man dann sozialen Frieden – und Grabesstille im Einzelhandel ist hierzu die Voraussetzung.
Jürgen Schmitt
Stadtrat
23.März 2010