Nachruf des SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Erich Fehr bei der Trauerfeier für Otto Giese am 28. August 2009
Liebe Karoline,
liebe Angehörige,
verehrte Trauergemeinde,
wir nehmen Abschied von unserem Freund und Weggefährten Otto Giese, der am 17. August so jäh aus unserer Mitte gerissen wurde.
Als ich ihn vor etwa 4 Wochen zum letzten Mal besuchte, war Otto bereits sehr von seiner Krankheit gezeichnet, einer Krankheit gegen die auch die moderne Medizin nach wie vor machtlos ist. Sie kann letztlich nur lindern, nicht aber die Gesundheit zurückbringen. Den Schmerz und die Trauer - liebe Karoline, liebe Angehörige – können wir Euch nicht abnehmen, aber wir wollen Euch beistehen.
Der große Sozialdemokrat Willy Brandt hat einmal gesagt: „Es ist wichtiger, etwas im Kleinen zu tun als im Großen darüber zu reden.“
Dieses Zitat könnte Ottos Lebensmotto gewesen sein, denn er hat stets mehr getan als geredet. Seine Treue und Zuverlässigkeit waren wohl seine herausragendsten Eigenschaften, er war geprägt von den Grundwerten der Gerechtigkeit und der Solidarität mit den Schwächeren.
Alles was er anpackte tat er mit Akribie und Pflichtbewusstsein – aber immer auch mit einem gesunden Humor.
Fast 40 Jahre lang war Otto Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und noch viel länger – nämlich seit 1950 – war er Gewerkschafter, zuerst bei der Postgewerkschaft und später dann bei Ver.Di. 17 Jahre lang war er zudem Mitglied bei der Arbeiterwohlfahrt.
Über Jahrzehnte war er in der Malscher SPD im Vorstand tätig davon viele Jahre als Schriftführer, eine kurze Zeit als Kassierer und zuletzt als Sprecher der Senioren. In all den Jahren war kein Wahlkampf vorstellbar, bei dem man Otto Giese nicht beim Plakatieren oder am Infostand gesehen hätte.
Als ich vor 6 Jahren zum Vorsitzenden der Malscher SPD gewählt wurde, hatte Otto zusätzlich das Amt des Garagenwarts inne. Das heißt, er hat sich um unsere Garage am Festplatz gekümmert, hat kleinere Reparaturen durchgeführt und dafür gesorgt, dass stets Ordnung herrschte. Die Inventarliste, die er damals erstellt hat, hängt noch heute an der Wand der Garage und lieber Otto, das verspreche ich Dir, dort wird sie auch hängen bleiben und uns immer an Dich erinnern!
Neben der politischen Arbeit in Partei und Gewerkschaft nahm der Gesang einen wichtigen Stellenwert in Ottos Leben ein. Die Singstunden des Gesangvereins Freundschaft-Konkordia oder die Proben des Hassler-Chors waren feste Termine in seinem Kalender und ich kann mich gut daran erinnern, wie er sich vehement zur Wehr gesetzt hat, wenn ich einmal eine Verwaltungssitzung an einem dieser Abende einberufen wollte.
Eine weitere Leidenschaft von Otto Giese war der Motorsport. So lange es seine Gesundheit zuließ, konnte man ihn samstags bei den Heimspielen der Motoballer des MSC Malsch antreffen, wo er in seiner gewohnt direkten aber charmanten Art die Einlasskontrolle durchgeführt hat.
Lieber Otto,
Dein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in so unterschiedlichen Bereichen – in der Gewerkschaft, der AWO, dem Arbeiter-Gesangverein, dem Hassler-Chor, im Motorsport, in der evangelischen Kirchengemeinde und in der Partei - Deiner Partei, der SPD – werden wir alle schmerzlich vermissen!
Der Theologe und Widerstandkämpfer Dietrich Bonhoeffer schrieb in einem Brief aus dem nationalsozialistischen Gefängnis: „Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines lieben Menschen ersetzen kann, und man soll das auch gar nicht versuchen; man muss es einfach aushalten und durchhalten; das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost; denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden.“
Lieber Otto, Du hinterlässt eine Lücke und wirst so immer in unserer Mitte bleiben – Ruhe in Frieden!