Die Schule im Dorf lassen

Veröffentlicht am 07.01.2010 in Allgemein

Gute, wohnortnahe Schulangebote sind eine Bereicherung für eine Kommune. Gerade junge Familien schätzen diesen Standortfaktor. Um ein Haar wäre für unsere Haupt-/ Werkrealschule alles schief gegangen, denn die Landesregierung sieht mit dem Konzept der Einführung der Werkrealschule „neuen Typs“ die Schließung der 756 einzügigen Hauptschulen im Land – darunter auch Gondelsheim - vor.

Allein dem Widerstand von Schulträgern, Eltern und Oppositionsparteien ist es zu verdanken, dass für bestehende Haupt-/ Werkrealschulen mit 10. Schuljahr ein Fortbestand zugesichert wurde, wenn mindestens 16 Schüler diesen Zweig besuchen. Rein statistisch gesehen kann diese Mindestvoraussetzung in unserer Gemeinde vorerst noch erfüllt werden. D.h. Hauptschüler wechseln mit entsprechender Empfehlung ab der fünften Klasse in die sechsjährige neue Werkrealschule.
Lieber hätten wir es gesehen, wenn mit der angekündigten Bildungsoffensive tatsächlich innovative Schulentwicklung auf den Weg gebracht worden wäre, wie man sie z. B. von den skandinavischen Ländern kennt (besseres Abschneiden bei der Pisa-Studie). So zum Beispiel:
· längeres gemeinsames Lernen (zumindest bis zur 6. Klasse),
· deutliche Absenkung des Klassenteilers,
· Förderung lernschwacher Kinder,
· Unterstützung von Ganztagsunterricht,
· Hauaufgabenbetreuung, etc.
Leider hat es die Landesregierung verschlafen, eine an den Interessen der Schüler und Eltern orientierte Entwicklung einzuleiten. So hatte auch der Gemeinderat bei seiner Entscheidung am 17. November keine andere Wahl als dem Konzept der Landesregierung mangels Alternativen zu folgen, um überhaupt unseren Schulstandort zu sichern.
Der Beschluss sieht vor, dass die Hauptschule mit der Neuen Werkrealschule fortgeführt und auf eine Schulbezirksbildung verzichtet werden soll. Alle Schüler der neuen Werkrealschule durchlaufen dann ab der fünften Klasse ein auf sechs Jahre angelegten Bildungsgang. Integriert ist ein Angebot von drei Wahlpflichtfächern (Technik und Natur, Wirtschaft und Informationstechnik, Gesundheit und Soziales) für die Klassen 8 und 9 und ein berufsorientierendes Praktikum zusammen mit einer Berufsschule in Klasse 10. In Klasse 10 wird versetzt, wer im Halbjahr von Klasse 9 einen Zeugnisschnitt von 3,0 und besser vorweisen kann. Alle anderen erreichen einen Hauptschulabschluss mit Ende der Klasse 9.
Um langfristig unseren Schulstandort bei rückläufigen Schülerzahlen, zu sichern, sind Kooperationen mit benachbarten Werkrealschulen anzustreben, die die Wahlfreiheit für die Wahlpflichtfächer ermöglichen. Sicherlich ist zukünftig auch mit mehr Wettbewerb unter den Schulstandorten zu rechnen, so dass mehr Bedeutung der Qualität der Schulausstattung, des pädagogischen Konzeptes, der Betreuung (Kernzeit, Mittagstisch) etc. zukommt.
Wenn wir es schon nicht im Großen schaffen, fortschrittliche Konzepte umzusetzen, sollten wir dies wie bisher zumindest im Kleinen versuchen und weiterhin dafür eintreten.
Anm.: Unter Hinweis auf die unzureichenden Fortschritte durch die Landesregierung (siehe oben) stimmten alle drei SPD-Gemeinderatsmitglieder für die Beantragung einer Hauptschule mit neuer Werkrealschule und für den Verzicht auf eine Schulbezirksbildung.
Jürgen Amend

 

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